Werner Büttner, 1954 in Jena/Thüringen geboren; gründet 1976 mit Albert Oehlen die „Liga zur Bekämpfung des widersprüchlichen Verhaltens“; richtet 1980 eine Samenbank für DDR-Flüchtlinge ein; unterrichtet seit 1990 an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg.

WERNER BÜTTNER gehört zu jener Künstlergeneration, welche der wilden Malerei, die als Phänomen der 1980er Jahre die westliche Welt überschwemmte, mit schallendem Gelächter entgegnet sind. Zusammen mit Georg Herold, Hubert Kiecol, Martin Kippenberger und Albert und Marcus Oehlen schuf er eine subversiv-ironische und intellektuelle Gegenwelt, die den Kunstbetrieb bis heute irritiert. „Veranstaltungen“, Liga-Gründungen und Ausstellungstitel wie Jenseits konstanter Bemühungen um den braven Erfolg oder Kosmoprolet oder Das Auge auf´s Kleine und die Grossen auf´s Auge oder Half an Hour of Modern Art oder Wir haben Grund zu der Annahme, daß ALLE Avantgardisten im Kopfrechnen schwach, in Religion dagegen sehr gut hatten oder Wahrheit ist Arbeit  oder deutsch-sprechende Galeristinnen verweisen zudem auf Büttners brillant beherrschtes Kampfmittel der Sprache. Seine Malerei ergänzt (und umschreibt) er durch kleine Essays und seine bösen Zeichnungen sind zugleich witzige Bildgeschichten. Seit 1998 arbeitet Werner Büttner an großformatigen Collagen:
 „Alles klagt über die Süntflut der Bilder und schläft ein über der Klage. Nirgends Widerstand oder auch nur Wiedergutmachung. Jeder entsorgt jede Woche verschämt sein Packerl Druckerzeugnisse und hofft auf Recycling. Diese Packerln aber sind voller anständiger Motive, die in schlechte Gesellschaft geraten sind, anständige Motive auf Pizzeriaflyern und den Prahlereien der Wasserwerke, in Klatschspiegeln und Nachrichtenbunten und auf den Hauswurfsendungen der Nahrungsmittelfälscher. Die Liste ist fürchterlich unvollständig. Hier nun gilt es, ein Zerstörungs – und Befreiungswerk in Gang zu setzen. Die Waffen des Widerstands sind legal und billig, Schere und Skalpell, Eisenlineal und Klebstoff. Damit befreit man die beleidigten und erniedrigten Motive aus ihrem schäbigen Kontext, aus dem Söldnerdienst an der Front der Verführung, aus der Fron, der Käuflichkeit Vorschub und Anschub zu leisten, aus dem Dienerdasein für die Spreu der Kontoauszüge. Und nun leimt man sie in einen neuen, würdevolleren Zusammenhang, reanimiert ihre ehemalige bildhafte Unschuld, versammelt sie auf Tableaus, wo sie ihre narrativen Talente und ihre malerischen Valeurs wiederfinden können. Und mit der Transformation durch den C-Print verleiht man ihnen wieder Pomp und falschen Glanz, aber diesmal im warmen Wahren. Und wenn es dann gemein schön ist, dann ist es gut.“ (Werner Büttner, April 2001)