Vorname
Radenko
Nachname
Milak

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Text über den Künstler

Radenko Milak schafft Raum für neues Sehen durch die Übersetzung appropriierter fotografischer Motive in Aquarell. Er variiert die formale Bildsprache von gefundenen Vorlagen aus dem Internet, Printmedien und Filmen und erzeugt damit erneutes Interesse an historischen Ereignissen beim Betrachter. Für KOENIG2 hat Radenko Milak eine eigene Serie geschaffen, die sich formal und inhaltlich an die 2013 entstandene Werkserie 365 – Image of Time anlehnt, zeitlich aber an das Eröffnungsdatum der Ausstellung: So wird der 14. September zum Leitmotiv aller hier gezeigten Arbeiten.

Isadora Duncan, die Twin Towers in New York oder die Inauguration Theodore Roosevelts als 26. Präsident der Vereinigten Staaten: nicht Duncans grausamer Tod dient als künstlerische Vorlage, sondern ihre Anmut beim Tanzen und Choreografieren, nicht der Crash des Flugzeugs in das Gebäude, sondern die Verwüstung in New York noch Tage und Wochen danach. Roosevelt winkt dem Publikum lächelnd zu, doch seine Ernennung ist mit der Ermordung seines Vorgängers William McKinley verknüpft. Der Künstler erschafft Abbilder, deren unheilschwangere Inhalte erst durch die Kontextualisierung in den Titeln sichtbar werden. Die Ursachen und Nachwirkungen eines Ereignisses sind in seinen Arbeiten von größerer Relevanz als der genaue Zeitpunkt des Geschehnisses selbst.

Es ist die Auseinandersetzung mit Katastrophen, die Milak in jüngster Zeit stark beschäftigt und welche in erweiterter Form im bosnischen Pavillon der diesjährigen Biennale in Venedig erfahrbar ist. Im Gegensatz zu den meisten Solopräsentationen der Länder erweitert Milak seinen Beitrag, indem er zusätzlich zur eigenen Werkschau internationale Künstler, Kuratoren und Schreiber zu einen direkten Diskurs einlädt. Das Ziel, so heißt es in der begleitenden Publikation, ist das Erschaffen eines gemeinsamen Raumes für den Transfer von Wissen und Imagination.

Hauptsächlich das Aquarell, aber auch Malerei, Zeichnung, Installationen und Animationen sind die gewählten künstlerischen Mittel für seine Serien in schwarz-weiß. Das Bild als Topos und die ununterbrochene, multimediale Bilderflut sind Grundsatzüberlegungen seiner Praxis. Die historischen und gegenwärtigen Realitäten hinterfragt Milak, indem er die Übermedialisierung und den oftmals daraus generierten Hype durch seine handwerkliche Virtuosität in eine Art von Fiktion überführt. Besonders in den Momenten, in denen sich die Konturen wie in einem unscharfen Foto aufzulösen drohen, entsteht der Eindruck einer auch inhaltlichen Auflösung.

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