Vorname
Ovidiu
Nachname
Anton

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— Text
Text über den Künstler
Fuck the System! Aber welches System? Jenes, das die Grenzen dichtmacht und Asylsuchende an der Einreise hindert oder sie in trostlosen Lagern kaserniert? Jenes, das den öffentlichen Raum mit seinen Werbebotschaften kolonisiert und Interventionisten wie Graffitisprayer oder Skater in die Illegalität abdrängt? Oder gar das System Kunst und den White Cube selbst? Die Ästhetik von Ovidiu Anton bedient sich des Stilmittels der paradoxen Intervention. Sie steht in einem gedanklichen Zusammenhang mit jugendsubkulturellen Ausdrucksformen wie Sprayen, Stencil Art oder Street Art, aber sie stellt deren Arbeitsweisen und Intentionen auf den Kopf. So übersetzt Anton die dem Dunkel der Nacht geraubten schnellen Tätowierungen auf herrschaftlichen Architekturen in das langsamere System der Zeichnung, er überträgt Wandinschriften aus Marseille auf Häuserwände in Wien und umgekehrt, er baut funktionales Design von Le Corbusier mit 'armen' Materialien nach und er übersetzt im Video ‘it doesn`t matter where’ jenes 'Auf der Flucht', das bei den Guerilla-Aktionen im öffentlichen Raum immer mitschwingt, in eine 'Chase Scene', die Zeit und Raum verwirbelt.

Die Installationsarbeit ‘Zeit totschlagen und Umgebung beobachten’, in der die Flucht von Ovidiu Antons Vater aus dem Post-Ceausescu-Rumänien und seine temporären Aufenthalte in transitorischen Räumen wie dem Westbahnhof und dem Flüchtlingslager Traiskirchen mehrspurig und mehrschichtig thematisiert werden, thematisiert Asynchronität von Bild und Ton als ein Element des geographischen und psychischen Orientierungsverlustes. In seiner Laufbildarbeit ‘Street Cat Deluxe’, die im Rahmen eines längeren Aufenthaltes in Istanbul entstanden ist, lässt Anton Straßenkatzen über Probleme der Gentrifizierung in der türkischen Metropole sprechen: Vermenschlichung als Verfremdungseffekt und gleichzeitig als Möglichkeit, Bild- und Tonspur auf irritierende Weise zu verknüpfen.

L‘homme en révolte - das ist das zentrale Thema des jungen, rumänischstämmigen Künstlers. Doch ihn interessiert nicht die emphatische Widerstandsgeste per se, sondern ihre sinnbildliche Darstellung, ihre Verankerung in ständig permutierenden Lebenswelten und die Bedingungen, unter denen sie mit Energie aufgeladen wird. Es geht um die dialektische Spannung zwischen Orten und Nichtorten, zwischen gesellschaftlichem Normverhalten und Grenzüberschreitung, zwischen Verdammnis und Erlösung. Sauve qui peut (la vie)!

(zit. Thomas Miessgang, 2013)

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