Ausstellungstitel
MOEBEL UND

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Ausstellungsdauer: 08. 03. - 19. 04. 2018

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Beschreibung

Vito ACCONCI | Ovidiu ANTON | Sepp AUER | Jimmie DURHAM | G.R.A.M. | Atelier VAN LIESHOUT | Peter NOEVER | Walter PICHLER | Valentin RUHRY | Margherita SPILUTTINI | Franz WEST 

 

Möbel waren seit jeher in jener unscharf definierten Zone, wo das Leben in die Kunst übergeht und die Kunst ins Leben. Ihnen eignet ein utilitaristischer Aspekt – man braucht sie, um seine Siebensachen zu verstauen – und gleichzeitig ein dekorativer: Man möchte, dass sie schön aussehen. 

In der frühen Minimal Art wiederum waren Möbel Designobjekte, die nicht selten funktionsentbunden zur Kunst sui generis permutierten und klassische Formensprachen in einen völlig neuen geistesgeschichtlichen Kontext stellten. Die Ausstellung MOEBEL UND spielt raffiniert, provokant und humoristisch mit der Mehrfachcodierung des Meublements und zweckt ihm im Kant`schen Sinne Lustgewinn und Erkenntnismehrwert ab. Möbel sind in dieser Group Show, die Künstlerinnen und Künstler unterschiedlicher Generationen mit Arbeiten aus verschiedenen Jahrzehnten zeigt, eine Art flexibilisierbares Ding an sich, das zu unterschiedlichen Assemblagen konfiguieren kann und Formenpermutationen unterworfen wird, die mit Gewalt und Leidenschaft zu tun haben.

Häufig geht es um „Destruction in Art“ - in Sichtverbindung zu Gustav Metzger -wie bei der Arbeit „A meteoric fall to heaven“ von Jimmy Durham, der einen riesigen Stein auf einen Armstuhl aus der Jahrhundertwende fallen lässt. Die Künstlergruppe G.R.A.M. wiederum wirft eine Küchenkredenz aus dem 4. Stock eines Hauses und dokumentiert dies per Video.

Andere Künstler der Ausstellung arbeiten mit den Mitteln des situationistischen Détournements wie der Ideengeber Sepp Auer, der einen kleinen offenen Schrank auf zwei Beinen schräg positioniert, sodass er sich einem sinnvollen Gebrauch entzieht und nur als sinnbefreites Objekt im heterotopischen Raum des zweckentbundenen Wohlgefallen existiert. Oder Valentin Ruhry, der einen ornamental protzenden Luster unter einem Glastisch knapp über dem Boden und vor einer prächtigen Fotowand Margherita Spiluttinis appliziert.

Die chaotisch aufgetürmte Installation „Tabourets cabanon“ des Künstlers Ovidiu Anton, verwendet Materialreste von Kunstwerken und Ausstellungsmodulen und zwingt sie in einen ästhetischen Rahmen, der von Le Corbusier geschaffen wurde. Eine hochkonzeptualisierte Designformensprache und der "Trash" des aus einem beliebigen Ausstellungsdisplay herausgenommenen Teils gehen eine durchaus reizvolle morganatische Verbindung ein.

Vito Acconci schuf mit „Name calling chair..." eine Sitzskulptur als multiperspektivisches Vehikel: Dem Benutzer stehen zwei Funktionen des Stuhls in Bewegung zur Verfügung; der Betrachter kann das Spiel der Buchstaben lesen, das in einer Zeit, in welcher der amerikanische Präsident von Shithole Countries spricht, noch ganz andere Imaginationsräume öffnet.

Peter Noever, Designer und ehemaliger Direktor des MAK, stellt Fotos und Plakate seiner gemeinsam mit Walter Pichler realisierten Sitzgruben und seiner von der Land Art inspirierten Traumgebäude/ Gebäudeträume zur Verfügung, worüber Bernard Rudofsky im Jahr 1988 schrieb: „An Austrian Folly, an open labyrinth, set with Viennese elegance into a vinous landscape by a master of understatement.“ 

Die Schau MOEBEL UND zeigt nicht nur die formale Vielfalt von Möbeln aus unterschiedlichen Epochen und Gebrauchsmilieus, sondern evoziert auch die konstruktiven respektive destruktiven Phantasien, die sich mit diesen so präsenten und oft doch übersehenen Gegenständen des alltäglichen Hausgebrauchs verknüpfen.

Schliessen wir mit einem Satz des Bloggers DasChair: „Poah, die möbälZ sind ja vohl kuhl."

(Thomas Miessgang, 2018)

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Galerie
Ausstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018Ausstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br /><br />hinten: MARGHERITA SPILUTTINI, <em>Brasserie Engländer, Wiedner Hauptstraße, Wien</em>, 1997, Wallpaper, 545 x 390 cm<br />vorne: VALENTIN RUHRY, <em>Salon</em>, 2018, Holz, Metall, Lack, Luster, 190 x 80 x 400 cmVALENTIN RUHRY<br /><em>Salon</em>, 2018<br />Holz, Metall, Lack, Luster 190 x 80 x 400 cm<br />Unikat + 1 a.p.Ausstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br /><br />v.l.n.r.:<br />VITO ACCONCI, <em>Name calling chair (Asshole)</em>, 1984-1990, Birkenholz, Kirschbaumholz, Ebenholz, Wurzelahorn, furniert, 117 x 96,5 x 130 cm (Courtesy MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien) <br />OVIDIU ANTON, <em>Ohne Titel</em>, 2010, Holz, Stahl, 54 x 39 x 77 cm<br />OVIDIU ANTON, <em>Tabouret Cabanon LC 14 01</em>, 2015, Holz, Reste von Ausstellungseinbauten der Kunsthalle Wien, je 43 x 27 x 43 cm<br />SEPP AUER, <em>Objekt 4: aufgespieß</em>t, 2012, Holz, Spanplatten, Ch.Ni. Rundstahl, 96 x 100 x 36 cmOVIDIU ANTON<br /><em>Ohne Titel</em>, 2010 <br />Holz, Stahl<br />54 x 39 x 77 cmOVIDIU ANTON<br /><em>Tabouret Cabanon LC 14 01</em>, 2015<br />Holz, Reste von Ausstellungseinbauten der Kunsthalle Wien <br />je 43 x 27 x 43 cm<br />43 Teile, UnikatvariationenAusstellungansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018SEPP AUER <br /><em>Objekt 4: aufgespießt</em>, 2012<br />Holz, Spanplatten, Ch.Ni. Rundstahl<br />96 x 100 x 36 cmAusstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br />Ausstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br /><br />v.l.n.r.:<br />OVIDIU ANTON, <em>Ohne Titel (Roland Rainer Stadthallensessel L10)</em>, 2016, Straßenabsperrbretter, Leim, je 88 x 48 x 51 cm<br />VITO ACCONCI, <em>Name calling chair (Asshole)</em>, 1984-1990,  Birkenholz, Kirschbaumholz, Ebenholz, Wurzelahorn, furniert, 117 x 96,5 x  130 cm (Courtesy MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst /  Gegenwartskunst, Wien)<br />JIMMIE DURHAM, <em>A Meteoric Fall to Heaven</em>, 2000, Armsessel (Hans Prutscher, Wien um 1900) und Stein, ca. 85 x 50 x 65 cm, 2- teiligJIMMIE DURHAM<br /><em>A Meteoric Fall to Heaven</em>, 2000<br />Armsessel (Hans Prutscher, Wien um 1900) und Stein <br />ca. 85 x 50 x 65 cm, 2- teilig<br />G.R.A.M.<br /><em>der fenstersturz einer küchenkredenz aus dem 4. stock</em>, 2015<br />HD Video, Musik von Josef Klammer<br />2:08 minAusstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br /><br />v.l.n.r.<br />PETER NOEVER, <em>Klosett mit Beton-Plateau, Gesamtfläche 70m2 (mit Sitzen für die Wartenden)</em>, 1982-83, s/w Hochglanz Fotoabzug, 60 x 119,5 cm, Die Grube, Breitenbrunn, Burgenland, Foto: Stefan A. Schumer, 2015<br />WALTER PICHLER, <em>Sitzgruben</em>, 1970, s/w Fotoabzug, 89 x 119,5 cm, Peter Noever: Die Grube, Breitenbrunn, Burgenland, Foto: Marina Faust, Originalabzug 23,5 x 18 cm, v.l.n.r.: Pierre Weiss, Walter Pichler, Werner Stupka<br />PETER NOEVER, <em>Verschüttet (Jahresplakat)</em>, 1982, Poster, 83,5 x 59,5 cm, Foto: Peter Strobl<br />FRANZ WEST, <em>Sinnlos</em>, 2008, Betonstahl, 199 x 39 x 12 cmPETER NOEVER<br /><em>'Klosett mit Beton-Plateau</em>', Gesamtfläche 70m2 (mit Sitzen für die Wartenden), 1982-83<br />s/w Hochglanz Fotoabzug<br />60 x 119,5 cm<br />Die Grube, Breitenbrunn, Burgenland <br />Foto: Stefan A. Schumer, 2015WALTER PICHLER<br /><em>Sitzgruben</em>, 1970<br />s/w Fotoabzug<br />89 x 119,5 cm<br />Peter Noever: Die Grube, Breitenbrunn, Burgenland <br />Foto: Marina Faust, Originalabzug 23,5 x 18 cm<br />v.l.n.r.: Pierre Weiss, Walter Pichler, Werner StupkaPETER NOEVER <br /><em>Verschüttet (Jahresplakat)</em>, 1982<br />Poster<br />83,5 x 59,5 cm  <br />Foto: Peter Strobl<br />JIMMIE DURHAM<br /><em>Table</em>, 2000<br />Video<br />00:32 min, Loop<br /><br />JIMMIE DURHAM<br /><em>Bed</em>, 2000<br />Video<br />00:32 min, Loop<br />Ausstellungsansicht <em>MOEBEL UND</em>, 2018<br />PETER NOEVER<br /><em>vervollständigter Sessel</em>, 1987<br />Blech, Stahl<br />66 x 57 x 86 cm<br />nach einem Entwurf von Marco Zanuso / Richard Sapper 1964ATELIER VAN LIESHOUT <br /><em>bad furniture</em>, 2004<br />geschmiedeter Stahl, Holz, Fiberglas<br />Tisch ca. 100 x 77 cm, Sessel je ca. 88 x 66 x 50 cmArchivmaterial PETER NOEVER

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