Ausstellungstitel
BLACK MAGIC curated by Andreas Duscha

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Ausstellungsdauer: 12. 01. - 04. 03. 2017

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Beschreibung
Walead BESHTY | Gwenneth BOELENS | Olivia COELN | Marta DJOURINA | Barbara HAINZ | Renato LEOTTA | Alexandra NAVRATIL | Christoph WEBER

BLACK MAGIC, der Titel der Ausstellung, referenziert zum einen auf den Namen der bekannten, flüssigen Fotoemulsion, die das dauerhafte Auftragen lichtempfindlicher fotografischer Schichten auf nahezu jede Oberfläche ermöglicht. Doch es geht um mehr: um die Vorstellung der alchemistischen Verwandlung eines banalen Materials in ein illuminiertes Zauberding, das die Schöpferkraft von der Apparatur emanzipiert und gleichzeitig die Hervorbringungen des Universums der technischen Bilder zu Inskriptionsflächen des eigenen Wahns und des eigenen Sinnes macht.

Die Fotografie wird im Allgemeinen als apparative Kunst gesehen: Zwischen die Wirklichkeit, die repräsentiert werden soll und den gestaltenden Willen des Fotografen, schiebt sich die Kamera als magisches Instrument, das durch die Belichtung fotochemischen Papiers und im Zusammenspiel mit Atelier und Fotolabor ein durch Kadrage und Lichtsituation definiertes Bild dessen, was der Fall ist, liefert. Es geht somit um eine medial vermittelte Kulturtechnik, welche die Realisierung einer künstlerischen Vision in einem symbiotischen Zusammenschluss von Mensch und Maschine ermöglichen soll. Damit aber wird jener Authentizitätsmythos untergraben, der dem Künstler eine entelechetische Kraft zuschreibt, die auf unmittelbare Entfaltung jenseits der Beschränkungen des Heidegger'schen 'Gestells' drängt. „Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes geschaffen“, schrieb Max Dauthendey in seinem Aufsatz 'Des Teufels Künste' und "Gottes Bild kann durch keine menschliche Maschine festgehalten werden.“ Es mag mit diesem technophoben Thread zusammenhängen, dass es, spätestens seit den Fotogrammen von Man Ray und Laszlo Moholy-Nagy, auch eine langjährige Avantgarde-Tradition der kameralosen Fotografie gibt: Direkte Einschreibungen in das Filmmaterial durch Ritzungen, Mehrfach-Überblendungen und Belichtungseffekte, die das im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit prekär gewordene Original auf andere Weise wiedererstehen lassen. Die acht Künstlerinnen und Künstler, die in der Ausstellung BLACK MAGIC vertreten sind, nähern sich der kameralosen Ästhetik auf jeweils individuelle Weise:

WALEAD BESHTY’s Fotoserie 'Six-Sided Picture' erscheint auf den ersten Blick wie eine Reihe abstrakter Gemälde. Die Arbeiten entstanden jedoch, indem lichtempfindliches und unterschiedlich gefaltetes Papier dem Sonnenlicht ausgesetzt wurde. „Das Material ist gleichermaßen Referent und Objekt, Negativ wie dessen Trägermaterial.“

Bei den Werken von MARTA DJOURINA handelt es sich meist um Direktbelichtungsverfahren und Lichtzeichnungen, bei denen sie manchmal auch auf kameraähnliche Instrumente zurückgreift. Ihre Serie 'Sol' nutzt die Sonne als Belichtungsquelle, die gebündelt durch eine Lupe sich im wahrsten Sinne des Wortes in das Papier einbrennt.

RENATO LEOTTA nutzt hingegen das schwache Licht des Mondes für seine Langzeitbelichtungen. Durch den Verzögerungsfaktor wird nicht nur eine Wasserbewegung abgebildet, vielmehr kommt es zu Überlagerungen. Nicht nur das Motiv, sondern auch das Vergehen der Zeit werden in den abstrakten Figurationen abgebildet.  GWENNETH BOELENs Arbeit 'Housing' geht zurück zum Ursprung der Fotografie. Die Kassette ist eine Vergrößerung der Hülle, die gewöhnlich verwendet wird, um Daguerreotypen aufzubewahren: eines der frühesten fotografischen Verfahren, erfunden von Daguerre in den 1830er Jahren. Die Kupferplatte, die normalerweise als Bildträger fungiert, wird vom Rahmen abgehoben und zur Seite gelegt. Der Behälter wird zu einem Container für Ideen, mit dem diese dauerhaft versiegelt werden können.

BARBARA HAINZ untersucht in Ihren Arbeiten das Verhältnis von Fotografie und Erinnerung, das fotografische Bild als Speichermedium. Aus ihrem persönlichen Archiv werden Bilder nach persönlichen Kategorien ausgewählt, dann in Schichten übereinandergelegt und in Wachs eingeschlossen. Dadurch erscheinen die konkreten Erinnerungen wie hinter einem Schleier und werden im Freud'schen Sinn als Matrizen für eine unterbewußte Erinnerung palimpsestartig übereinander gelegt.

ALEXANDRA NAVRATILs Serie 'Bitterfeld' besteht aus schwarzen Epoxid - Reliefs, die die Abdrücke von Blättern, Steinen, Zweigen, Rinden, Beeren, Nüssen und Blumen zeigen. Gesammelt wurden die organischen Materialien rund um den Silbersee in Bitterfeld-Wolfen. Dieses chemisch stark verseuchte Gebiet in Deutschland wurde in den 1990er Jahren aufgrund der Kontamination aus den angrenzenden Branchen und der AGFA-ORWO-Film Fabrik auf Jahre hinaus verseucht . Die heutige Vegetation trägt immer noch verdünnte Spuren dieser früheren Belastungen. Die aus einer chemischen Reaktion von Silbernitratlösung, Sauerstoff und Licht entstehenden Reliefs sind überdimensionierte, dreidimensionale, fotografische Platten. Bei der digitalen Bildbearbeitung besteht die Absicht darin, die ursprünglichen Bedeutungen und Konnotationen zu neutralisieren.

Indem OLIVIA COELN die gesammelten Fragmente ihrer Bilder aus ihren ursprünglichen Einstellungen isoliert, werden sie erst entwertet und dann neu gesetzt. Die Geschichte und Provenienz des ursprünglichen Ortes wird bei jeder Transformation weitertradiert.

CHRISTOPH WEBER unterwirft in seiner Arbeit den Blick der Logik des Apparativen, ausgehend von einem 50mm Objektiv - diese Brennweite entspricht der Sichtweite des Auges. Die Arbeit verwandelt den aus der Renaissance kommenden Sehkegel in seine medial hypostasierte Version: die 'Sehpyramide'.

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Galerie
Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017<div>WALEAD BESHTY</div> <div><em>Six-Sided Picture C (CMMYYC: Irvine California, July 16th 2008 Fuji Crystal Archive Type C)</em>, 2008 </div> <div>Farbfotopapier</div> <div>127 x 254 cm, gerahmt 143 x 264 cm</div> <div>Unikat</div>  <div>GWENNETH BOELENS </div> <div><em>Housing</em>, 2010</div> <div>Glas, Papier, Farbe, Karton, Kleber, Keramik / Kupferplatte</div> <div>110,5 x 93 cm / 87,4 x 65,5 cm</div><div>GWENNETH BOELENS </div> <div>DETAIL<em> Housing</em>, 2010</div> <div>Glas, Papier, Farbe, Karton, Kleber, Keramik</div> <div>110,5 x 93 cm</div><div>ALEXANDRA NAVRATIL </div> <div><em>Bitterfeld</em>, 2016</div> <div>Polyester, Aluminum, Silbernitrat, Lack</div> <div>je 230 x 140 cm</div><div>ALEXANDRA NAVRATIL </div> <div>DETAIL<em> Bitterfeld</em>, 2016</div> <div>Polyester, Aluminum, Silbernitrat, Lack</div> <div>je 230 x 140 cm</div>Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017 <div><br />RENATO LEOTTA </div> <div><em>Egadi (registrazioni), 2016, parte di „Belvedere“</em>, 2010-2016</div> <div>16 mm Farbfilm überspielt auf DVD</div> <div>10 min, 3 Kanäle</div><div>RENATO LEOTTA </div> <div><em>Zeit und Wasser</em>, 2016</div> <div>Silbergelatineprint </div> <div>50 x 60 cm, gerahmt 54 x 64 cm</div> <p> </p>Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017<div>BARBARA HAINZ </div> <div><em>Last Night She Said</em>, 2016</div> <div>Fotografien in Paraffin</div> <div>94 x 122 cm  </div>Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017<div>MARTA DJOURINA </div> <div><em>Sol</em>, 2015</div> <div>Direktbelichtung mit Lupe auf s/w Fotopapier</div> <div>je 8,9 x 13 cm, gerahmt 45,5 x 40,5 cm</div>Ausstellungsansicht <em>BLACK MAGIC</em>, 2017<div>OLIVIA COELN </div> <div><em>Blackout</em>, 2017</div> <div>Pigment auf Pigmentdruck, auf Aluminium-Wabenplatten aufgezogen</div> <div>je 150 x 115 cm</div><div>CHRISTOPH WEBER </div> <div><em>Sehpyramide</em>, 2016</div> <div>Stahl, Aluminium</div> <div>175 x 50 x 30 cm </div> <div>2/4 + 1 A.P.</div><div>CHRISTOPH WEBER </div> <div>DETAIL <em>Sehpyramide</em>, 2016</div> <div>Stahl, Aluminium</div> <div>175 x 50 x 30 cm </div> <div>2/4 + 1 A.P.</div>

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