Künstler / Projekt
KOENIG2
Ausstellungstitel
Gustav Metzger

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Ausstellungsdauer: 06. 09. - 13. 10. 2018

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Beschreibung

Gustav Metzger wurde 1926 als Kind orthodoxer Juden in Nürnberg geboren und 1939 im Zuge der Kindertransporte nach England evakuiert. Er starb 2017 in London, wo er lebte und arbeitete. 60 Jahre lang war Metzger als politischer Künstler und Aktivist tätig. 1966 konzipierte er in London das internationale Symposium „DIAS - Destruction in Art“ und lud weltweit Künstler dazu ein - u.a. die Wiener Aktionisten und die japanische Avantgarde-Gruppe Gutai. Das Vergängliche, Selbstzerstörerische in Metzgers Werken war auch gegen den internationalen Kunstmarkt gerichtet, als eine Verweigerung der monetären Verwertung von Kunst. Von dieser Haltung zeugt seine spektakuläre und folgenreiche Aufforderung 1974, in einen Kunststreik zu treten.


Halluzinatorische Traumgespinste
Zu den Zeichnungen von Gustav Metzger aus den 1950er Jahren

In der zeitgenössischen Kunstwahrnehmung ist Gustav Metzger bekannt als Schöpfer der ‚autodestruktiven‘ und der ‚autokreativen‘ Kunst, als Autor zahlreicher Manifeste, die meist das große Ganze ins Blickfeld nehmen und als Initiator eines Kunststreiks, mit dem er auf die prekären Bedingungen, unter denen Künstler arbeiten, hinweisen wollte. Ein Konzeptkünstler somit, der nicht ganz unähnlich etwa einem Marcel Duchamp, wenn auch mit anderen Mitteln und Strategien, Möglichkeiten und Grenzen des Künstlerischen in der posttraumatischen Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg ausloten wollte.

Dass es darüber hinaus im Werk von Gustav Metzger noch viele Zeichnungen gibt - also eine vergleichsweise konventionelle künstlerische Ausdrucksform - ist eine Überraschung und erst seit relativ kurzer Zeit bekannt: Zeichnungen und Skizzen, die man den frühen 1950er Jahren zuordnet, die aber weder datiert noch signiert sind, wurden auf dem Dachboden eines entfernten Verwandten gefunden, wo sie jahrzehntelang unbeachtet lagerten.

Für die Kunstöffentlichkeit mag das Auftauchen dieser Werke ein Schock gewesen sein, der die Figur Gustav Metzger in ein völlig neues Licht rückt, für den Künstler selbst war sie ein logischer Entwicklungsschritt im Rahmen seiner Ausbildung. Er habe lange in der Zeichenklasse von David Bomberg gelernt: „Da mussten wir nach dem Leben und nach der Natur arbeiten. Gelegentlich zeichneten wir die Sankt Pauls-Kathedrale.“

Dieser quasi-akademische Hintergrund wirkt zumindest in Spurenelementen auf die vielen Papierarbeiten, die bis 1959, kurz vor der Veröffentlichung des ersten Manifestes, entstanden. Es sind Arbeiten, die in ihrer klaren Gliederung - einmal vertikal, dann wiederum diagonal - an Architekturzeichnungen erinnern. Metzger hat immer wieder darauf hingewiesen, wie sehr es ihn fasziniere, dass aus einer kleinen Skizze auf einer Papierserviette ein riesiges Gebäude wie das Shard-Building in London entstehen konnte. In seinen Drawingsgewinnt der Betrachter den Eindruck, dass sich im abstrakten Liniengewebe und in den mit roten und violetten Kreidetönen aufs Blatt geworfenen Schraffuren, wie durch einen Gazeschleier betrachtet, Figurationen erscheinen lassen, die eher halluzinatorische Traumgespinste sind als klar erkennbare Formationen: In Farben und Formen gefasste Visionen von möglichen Architekturen, die sich als schwach konturierte Zukunftspotentiale seriell zu faszinierenden Konstellationen zusammenfügen lassen, die erst in der Fülle ihre suggestiven Wirkungen zu entfalten wissen.

In Gustav Metzgers Zeichnungen finden Tradition und abstrakt-expressionistische Gegenwart in einer Art von dessin automatiquezueinander. Es geht um den unmittelbaren Transfer von Vorstellung und materieller Konkretisierung auf dem Papier. Hier scheint der Metzger’sche Imperativ, der auf die Zerstörung des Kunstwerkes zielte, nicht wirkmächtig geworden zu sein. Die Zeichnungen besiedeln einen dritten Raum zwischen Autodestruktion und Autokreation und sind eben überhaupt nicht auto, sondern nur durch die gestalterische Hand des Künstlers herzustellen, der in der Formenverwirbelung und der emotionalen Agitation, die seine Blätter imprägnieren, Clement Greenberg zu folgen scheint, der etwa zur selben Zeit über die amerikanischen Abstrakten geschrieben hat: „Die Farbigkeit, das Vertikale, das Konzentrische, die Verschränkung von Formen, all das existiert nicht um seiner selbst, sondern zuallererst um des Gefühls willen. Wenn diese Arbeiten als Ausdruck und Vermittler von Gefühlen scheitern, so scheitern sie gänzlich.“

(Thomas Miessgang, 2018)

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Galerie
Ausstellungsansicht <em>GUSTAV METZGER</em>, 2018<br />KOENIG2 by_robbygreifAusstellungsansicht <em>GUSTAV METZGER</em>, 2018<br />KOENIG2 by_robbygreifAusstellungsansicht <em>GUSTAV METZGER</em>, 2018<br />KOENIG2 by_robbygreifAusstellungsansicht <em>GUSTAV METZGER</em>, 2018<br />KOENIG2 by_robbygreifAusstellungsansicht <em>GUSTAV METZGER</em>, 2018<br />KOENIG2 by_robbygreifGUSTAV METZGER<br /><em>Ohne Titel</em>, 1958/59<br />Kreide und Tinte auf Papier<br />25 x 20 cmGUSTAV METZGER<br /><em>Ohne Titel</em>, 1958/59<br />Kreide und Tinte auf Papier<br />25 x 20 cmGUSTAV METZGER<br /><em>Ohne Titel</em>, 1958/59<br />Kreide und Tinte auf Papier<br />25 x 20 cmGUSTAV METZGER<br /><em>Ohne Titel</em>, 1958/59<br />Kreide und Tinte auf Papier<br />25 x 20 cmImage: Gustav Metzger in his studio in King's Lynn, practicing for a public demonstration of Auto-Destructive Art, 1960 <br />Photo: John Cox for lda Kar. Copyright National Portrait Gallery, London

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