Künstler / Projekt
ANDREAS DUSCHA
Ausstellungstitel
winning hearts and minds

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Ausstellungsdauer: 15. 01. - 05. 03. 2016

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Beschreibung
Die Fotografien, Zeichnungen, Objekte und installativen Arbeiten der ersten Einzelausstellung von Andreas Duscha (*1976 in Heidenheim, lebt und arbeitet in Wien) in der Christine König Galerie formieren sich in deren Räumlichkeiten zu einer düster-dystopischen Gesamtkomposition, in deren Hintergrund sich die Reflexion der Medialität fotografischer Bildproduktion in Verbindung mit der Verarbeitung signifikanter historischer Ereignisse, naturwissenschaftlicher oder alltags- und populärkultureller Phänomene als zentrale künstlerische Strategie abzeichnet.

Die von einem dunklen Grau dominierte Farbtonalität der Ausstellung steht dabei nur in vermeintlichem Widerspruch zu deren Titel winning hearts and minds, ein aus der US-Anti-Terrorpolitik entlehnter Slogan, der in vertraut euphemistischem Tenor die quasi-kolonialistische Vereinnahmungsstrategie des amerikanischen Militärs bezeichnet, bei langfristigen Auslandseinsätzen die Zivilbevölkerung umgehend auf seine Seite zu ziehen und das Terrorpotential vor Ort somit von vornherein zu minimieren. In dieser Ambivalenz deutet sich das grundlegende Thema an, das Duscha in Form eines losen assoziativen Bedeutungsgeflechts über die in der Ausstellung versammelten Werke ausbreitet:

Es geht um das Phänomen des Schläfers, des meist religiös motivierten Attentäters, der zu einem bestimmten Zeitpunkt aus einer vorgegebenen bürgerlichen Normalexistenz in den minutiös vorbereiteten, aber bis dahin verborgenen Modus des Massenmörders wechselt und dessen „Effizienz“ bzw. Grauenerregung am größten ist, je plötzlicher und ungeahnter dieser Wechsel erfolgt. Die Umstände der Initialisierung unterliegen aus diesem Grund strikter Geheimhaltung und sind oft entsprechend stark codiert. Sie können sich etwa hinter einer poetischen Satzfolge verbergen wie in dem 70er Jahre-Spionagestreifen Telefon, in dem ein Gedicht von Robert Frost, das Duscha auf einen selbst gemachten Spiegel geätzt hat, dazu dient, durch dessen telefonische Durchsage eine Reihe von Sowjetagenten in den USA zu „aktivieren“. Die Perfektion der Tarnung und die Ununterscheidbarkeit von den authentischen Elementen der fremden Umgebung als zentrale Anforderung an den Schläfer bilden wiederum eine Analogie zur Tierwelt, genauer zu der parasitären Reproduktionsstrategie des Kuckucks, der in der Lage ist, seine eigenen Eier in Größe, Form, Farbe und Musterung an bis zu vier verschiedene Wirtseier anzupassen, die der Künstler in einem vergleichbar uniformen Raster von Fotografien präsentiert.

Duscha durchbricht die Trivialität dieser Bezugnahmen, indem er eine inhaltliche Parallelenbildung zum fotografischen Dispositiv anbietet und somit eine medienreflexive Bedeutungsdimension in seinen Arbeiten eröffnet: Der maximale Kontrast, das vollständige Umschlagen von einem in einen anderen Zustand, von positiv zu negativ ist kennzeichnend für den Schläfer – aber auch für den fotografischen Prozess. Das metaphorische Spiel und der konstante Wechsel zwischen den Bedeutungsebenen erhalten ihre größte Präsenz in dem historischen Tresor der Wiener Firma Wertheim, der wie früher üblich einer Bestandsprüfung durch Feuer unterzogen wurde. Es ist ein wuchtiger Würfel aus verspiegeltem Stahl, der seine Inhalte hartnäckig verborgen hält – eine massive blackbox, eine stählerne camera obscura, in der Undurchdringlichkeit und Unverwüstlichkeit des fotografischen Faszinosums, das dem Werk von Andreas Duscha zugrunde liegt, feste Gestalt annehmen.

(Maximilian Geymüller, 2016)

Andreas Duscha im Interview mit art and signature über winning hearts and minds


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Galerie
Ausstellungsansicht <em>winning hearts and minds</em>, 2016ANDREAS DUSCHA<br />DETAIL <em>Telephone II</em>, 2016<br />Glas, Stahl, Silber, geätzt<br />200 x 100 cm<br />Ed. 1 + 1 EAAusstellungsansicht <em>winning heart and minds</em>, 2016ANDREAS DUSCHA<br />DETAIL <em>Brutparasit</em>, 2016<br />Pigmentdruck auf Papier<br />12-teilig, je 35 x 48 cm<br />Ed. 1 + 1 EAANDREAS DUSCHA<br /><em>Tresor</em>, 2016<br />Glas, Stahl, Silber, Fotopapier<br />104 x 86 x 46 cm<br />Unikat Ausstellungsansicht <em>winning hearts and minds</em>, 2016ANDREAS DUSCHA <br />DETAIL <em>COINTELPRO</em>, 2013<br />Tusche auf Zeitungspapier<br />je 60 x 38 cm<br />Unikate, 10-teiligANDREAS DUSCHA<br /><em>Ohne Titel</em>, 2016<br />Glas, Silber<br />50 x 60 cm, 40 x 20 cm<br />Unikate, 2-teiligAusstellungsansicht <em>winning hearts and minds</em>, 2016ANDREAS DUSCHA<br />DETAIL <em>... wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüthe und Frucht</em>, 2015<br />S/W-Fotografie auf Barytpapier<br />12-teilig, je 60 x 34 cm<br />

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