Künstler / Projekt
AI WEIWEI
Ausstellungstitel
Hurt Feelings

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Ausstellungsdauer: 18. 09. - 06. 11. 2010

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Beschreibung
AI WEIWEI wurde 1957 in Peking, China geboren, wo er heute lebt und arbeitet. 1978 begann er sein Studium an der Beijing Film Academy, er wurde zum Mitbegründer der Avant-Garde Künstlergruppe The Stars. Von 1981 bis 1993 lebte er in den USA, meist in New York, 1993 kehrte er nach Peking zurück. 1997 wurde er Mitbegründer und künstlerischer Direktor des China Art Archives & Warehouse (CAAW) in Peking. 1999 zog Ai Weiwei nach Chaochangdi nordöstlich von Peking, wo er sein Studio als sein erstes Architekturprojekt verwirklichte. 2003 gründete er das Architekturbüro FAKE Design in Peking. 2003-2008 erhielt er den Auftrag, gemeinsam mit Herzog & de Meuron das Olympische Stadion (2008) in Peking zu entwerfen. 2008 erhielt Ai Weiwei den Chinese Contemporary Art Award und 2010 das Honorary Doctorate Degree der Faculty of Politics and Social Science der Universität Ghent, Belgien.
 
Ausgewählte Projekte: 2010 Digital Activism in China: Diskussion mit Jack Dorsey (Mitbegründer von Twitter) und Richard MacManus, The Paley Media Center, NYC, USA; 2008 Citizen Investigation Project, Nachforschungen zum Tod der Studenten, die am 12. Mai 2008 beim Erdbeben in Sichuan ums Leben kamen; 2007 Documenta 12, Kassel. Für das Projekt Fairytale lud Ai Weiwei 1001 Chinesen nach Kassel ein.

Ausgewählte Ausstellungen: 2010 The Unilever Series: Ai Weiwei, Turbinenhalle, Tate Modern, London, UK; Regionale 10, Liezen; Radical Conceptual, Museum Moderner Kunst, Frankfurt; Contemplating the Void, Guggenheim Museum, NYC, US; Ai Weiwei, Galerie Urs Meile, Luzern; Dropping the Urn, ceramics 5000 BCE – 2010 CE, Museum of Contemporary Craft, Portland, USA; Ai Weiwei, Haines Gallery, San Francisco, USA; 2009 With Milk_find something everybody can use, Mies van der Rohe Pavilion, Barcelona, Spanien; So sorry, Haus der Kunst, München; According to What?, Mori Art Museum, Tokyo, Japan; Ai Weiwei: New York Photographs 1983-1993, Three Shadows Photography Art Centre, Peking, China; The Making of Art, Schirn Kunsthalle, Frankfurt; 2008 Out there: Architecture Beyond Building, 11. Internationale Architekturbiennale, Venedig, Italien; Ai Weiwei, Hyundai Gallery, Seoul, Korea; Illumination, Mary Boone Gallery, NYC, US; Go China! Ai Weiwei, Groninger Museum, Groningen, Niederlande; 2007 Documenta 12, Kassel; China Welcomes you... Desires, Struggles, New Identities, Kunsthaus Graz; Project We are the future, 2nd Moscow Biennial of Contemporary Art; 2006 China now. Faszination einer Weltveränderung, Sammlung Essl, Klosterneuburg.
 
Der chinesische Künstler Ai Weiwei ist einer der spannendsten Künstler unserer Zeit. Seine Tätigkeitsfelder umspannen Architektur, Design, Kunst, kuratorische Arbeiten, Schreiben, Publizieren und vieles mehr. Für seine erste Einzelausstellung in Österreich ersuchte ihn die Galerie um dokumentarische Foto- und Videoarbeiten, welche die rasanten Veränderungen in China anhand seiner ganz persönlichen Beobachtungen und Erlebnisse mit der Regierung skizziert. Ai Weiwei fordert öffentlich und in seinen zahlreichen, immer wieder gesperrten Blogs, Pressefreiheit und die Wahrung der Menschenrechte, um eine echte Zivilgesellschaft, eine demokratische Gesellschaft, aufbauen zu helfen. Voraussetzung dafür wäre, dass die Menschen Verantwortung übernehmen, was in China durch die mächtige Tradition des konfuzianischen Denkens noch immer verhindert wird. Die gegenwärtige Regierung unter Hu Jintao benutzt den Begriff der Harmonie sogar als ideologisches Leitmotiv und Steuerungsinstrument. Denn seit Jahrhunderten sind die Chinesen darin geübt, vielfältige Wege (tao) gleichzeitig zu gehen, ohne zu werten oder zu wählen. Seine Verantwortung als Künstler sieht Ai Weiwei daher in der Rolle des unermüdlichen Aufzeigens und Recherchierens von Missständen und der Verbreitung von Information darüber.
 
Als 2008 tausende Schulkinder bei einem Erdbeben in der Provinz Sichuan starben, versuchte die chinesische Regierung, die Umstände, die zum Einsturz der Schulbauten (nicht der Regierungs- und Verwaltungsgebäude) führte, zu vertuschen. Ai Weiweis große Arbeit REMEMBERING, bestehend aus 9000 Kinderrucksäcken auf der Fassade des Münchner Haus der Kunst bildete den chinesischen Satz einer Mutter beim Anblick ihres toten Kindes: “Sie lebte sieben Jahre glücklich auf dieser Welt”. Nach Ai Weiweis öffentlichem Aufruf, dieses Unglück genau zu untersuchen, wurden er und die zahlreichen freiwilligen Helfer ständig Drohungen und Überfällen ausgesetzt. Die großformatigen Fotos in der Ausstellung und einer der Filme zeigen das Ausmaß dieser Aggressionen.
 
(Siehe auch: Ai Weiwei So Sorry mit Texten von Chris Dercon, Julienne Lorz, Mark Siemons. Haus der Kunst München, 2009.)

Die Filme Chang’an Boulevard und Beijing:The Second Ring dokumentieren das Stadtbild Pekings und dessen Veränderungen zur Zeit der Aufnahmen (2004 und 2005). Peking, seit über 600 Jahren Hauptstadt Chinas, hat eine zentrale architektonische Ausrichtung und Ordnung des Stadtgefüges. Die Filme zeigen die hoffnungslose Logik der Stadtstruktur, in der Veränderung jenseits jeglicher Kontrolle liegt und unverhandelbar ist. Andererseits lassen die Arbeiten Peking auch als organisches Ganzes erkennen, sie halten die Rhythmen der Stadt und Teile einer vielschichtigen urbanen Collage fest. Die Videos fungieren wie einfache Monitore, die Aufzeichnungen sind also minimalster Natur, fokussiert auf die reine Beobachtung und den natürlichen zeitlichen Ablauf.
 
LAO MA TI HUA (Disturbing the Peace) ist die filmische Dokumentation eines Vorfalls, der sich ereignete, während der Menschenrechtsaktivist Tan Zuoren im August 2009 vor Gericht stand. Ai Weiwei reiste nach Chengdu, um bei diesem Prozess auszusagen. In der Nacht zum 12. August brach die Polizei in sein Hotelzimmer ein und verletzte ihn durch einen Schlag auf den Kopf so schwer, dass er nicht vor Gericht erscheinen konnte.
Die Fotos, die in der Ausstellung gezeigt werden, wurden rund um Ai Weiweis Studio aufgenommen und reflektieren die täglichen Lebensbedingungen des Künstlers. Die Geheimpolizei beobachtet jeden seiner Schritte - Vorgänge, die eine weitverbreitete Praxis von Überwachung in dieser schnelllebigen und modernen Gesellschaft Chinas repräsentieren.

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Galerie
Hurt Feelings<br />Christine König Galerie, 2010<br />AußenansichtHurt Feelings<br />Christine König Galerie, 2010<br />AußenansichtAI WEIWEI<br /><em>Ai Weiwei with rockstar Zuoxiao Zuzhou in the elevator when taken in custody by the police, Sichuan, China</em>, August 2009<br />Farbfotografie, C-Print<br />100 cm x 130 cm AI WEIWEI<br /><em>Ohne Titel, 26. Juni</em>, 2010<br />Farbfotografie, C-Print<br />100 cm x 150 cm AI WEIWEI<br /><em>Ohne Titel, 20. Juni</em>, 2009<br />Farbfotografie, C-Print<br />100 cm x 150 cm AI WEIWEI<br /><em>Brain Inflation</em>, September 2009<br />Farbfotografie, C-Print<br />200 cm x 100 cm AI WEIWEI<br />VIDEOSTILL<br /><em>Beijing: The Second Ring</em>, 2005<br />Farbvideo mit Ton<br />1 h 6 min AI WEIWEI<br />VIDEOSTILL<br /><em>Chang’an Boulevard,</em> 2004<br />Farbvideo mit Ton<br />10 h 13 min 

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