Künstler / Projekt
Third Room: THOMAS DRASCHAN

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Ausstellungsdauer: 14. 03. - 03. 05. 2014

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Beschreibung
Die Welt ist alles, was der Fall ist, sagt der Philosoph. Doch was ist der Fall? Das, was wir zu erkennen glauben, wenn wir das Abbild eines Objekt, einer Szene, einer architektonischen Konfiguration betrachten? Was uns vorgegaukelt wird, wenn wir in sinnlicher Gewißheit unserer Sache sicher zu sein scheine ´Strategien gegen Architekturen` hat die Band Einstürzende Neubauten eine ihrer Platten genannt. Die Ausstellun ´Täuschung und Leere` nun arbeitet nicht gegen Architekturen, sondern versucht, durch die Architekturen hindurch in die existentielle Tiefe zu dringen. In der Zusammenstellung der Arbeiten von Margherita Spiluttini und Thomas Draschan werden unterschiedliche Modalitäten der Aufsprengung des Raum-Zeit-Kontinuums ästhetisch implementiert.

Margherita Spiluttini, eine der international bedeutendsten Architekturfotografinnen, zeigt im vorderen Bereich der Galerie Räume, die in der dokumentierten Form nicht mehr existieren, in die sich gewissermaßen die Furie des Verschwindens eingenistet hat: das Arbeitszimmer der verstorbenen Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky, die von Hermann Czech entworfene Bar im Palais Schwarzenberg oder die von Adolf Loos gestaltete Bank in der Mariahilferstrasse, in der sich längst eine Billigmode-Kette befindet und künftig auch die Räume der Wiener Generali Foundation. Es sind präzise komponierte Fotos, die - menschenleer und trotzdem von gelebtem Leben erfüllt - in kalter Pracht von jenem Abyssos erzählen, in den die Zeit stürzt, um sich in Ewigkeit zu verwandeln. Man kann dem nichtenden Nichts bei der Arbeit zusehen. Im zweiten Raum präsentiert Margherita Spiluttini illusionistische Raumkonzeptionen wie die gemalte Kuppel der Jesuitenkirche oder die Exotismen des Bergl-Zimmers im Stift Melk. Trompe l`oeil- Effekte und phantasmagorische Gegenwelten, ornamentale Fülle und präzise Strukturanalyse: Dialektik des Allzumenschlichen.

Der Künstler Thomas Draschan versucht mit den Mitteln des Films eine Approximation an die aus geschichteten Quadern gebaute Kirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit von Fritz Wotruba, die wie ein abweisendes Bollwerk in der Landschaft steht. Der Film ist aus fotografischen Einzelbildern komponiert, die über einen längeren Zeitraum aufgenommen wurden und unterschiedliche Jahreszeiten ebenso berücksichtigen wie unterschiedliche Routen innerhalb und außerhalb des Gebäudes. Während bei Spiluttini die Zeit gefroren erscheint, besser gesagt: längst aus dem Bild entwichen zu sein scheint, beginnt sie bei Draschan zu rasen und in ihrem zyklomotorischen Furor den Betrachter einzusaugen. Die visuelle Stolperästhetik entfaltet sich zu einer perforierten Erzählung, in der das, was gar nicht oder nur für den Bruchteil einer Sekunde zu sehen ist, wichtiger zu sein scheint als das Erkennbare. So gelingt Draschan die psychogeographische Vermessung eines architektonischen Meisterwerkes, das in dem Augenblick, in dem es ein Geheimnis preisgibt, ein neues Rätsel schafft. Täuschung und Leere, Wahrheit und Fülle. Was ist nun der Fall?

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Galerie
THOMAS DRASCHAN<br />Ausstellungsansicht <em>Täuschung und Leere,</em> 2014<br />Christine König Galerie THOMAS DRASCHAN<br /><em>Wotruba (loop), </em>2014<em><br /></em>HD Filmcollage, Sound<br />THOMAS DRASCHAN<br /><em>Ohne Titel (Tristesse I)</em>, 2010<br />Inkjet Print auf Aluminium<br />63 x 92 cm<br />Ed. 3 THOMAS DRASCHAN<br />Ausstellungsansicht <em>Täuschung und Leere,</em> 2014<br />Christine König Galerie THOMAS DRASCHAN<br /><em>Ohne Titel (Tristesse II)</em>, 2010<br />Inkjet Print auf Aluminium<br />63 x 92 cm<br />Ed. 3 THOMAS DRASCHAN<br /><em>Ohne Titel (Tristesse III)</em>, 2010<br />Inkjet Print auf Aluminium<br />63 x 92 cm<br />Ed. 3 

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